Gesellschaftskleider wurden noch aus Seide gearbeitet, für Haus- und Straßenkleidung wählte man andere Stoffe. Seide und Seidentaft nahm man zur Unterfütterung der Röcke und fü? die Dessous. Die langen Roben wurden bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit einer Hand zierlich und kokett angehoben. Es war demnach für jede Frau, die auf sich hielt, ein Gebot der Stunde, ein schönes, verführerisches Unterkleid anzulegen. Der Saum, den die Welt ja beim Lüpfen des Oberrocks zu sehen bekam, wurde mit farbigen Volants geziert. Besonders elegante Damen ließen ihre Röcke mit sprödem Seidentaft unterfüttern, der sich auf den Volants des Unterkleides rieb und das “Frou-Frou”, ein Knistern und Rascheln, hervorrief, das alle Männerherzen schneller schlagen ließ.
Wolle, Halbwolle, Seide, Waschstoffe, Crepes, Popeline, Mull, Batist, Grenadine, Organdy, Etamine oder Voile, kurz Gewebe aus allen erdenklichen Rohstoffen und unter Verwendung verschiedenster technischer Finessen fabriziert, stellte die Textilindustrie den Modeateliers zur Verfügung. Kunstgewerbe und Handwerk boten handbedruckte Stoffe, Stickereien und Spitzen, Posamenten, Pelze, Federn sowie Schmuck aus Edelgestein und edlen Metallen oder aus billigeren Surrogaten als modisches Beiwerk an. Kein Wunder also, daß die Modelle der Schneiderkünstler klangvolle Namen erhielten, beispielsweise „Frühlingstraum” oder „Nacht über der Lagune”.