Herrengarderobe, Anzug, Nadelstreifen

Sieht man von der Berufs- oder Sportkleidung ab, so bilden diese fünf Rocktypen auch heute noch den Grundstock der Herrengarderobe. Es genügt ein Blick in die Modejournale, um festzustellen, daß sich der Schnitt des Anzuges seit 1870 nur leicht geändert hat. Die Taille sitzt entweder höher oder tiefer; einmal fällt das Jackett leger, dann wieder ist es streng tailliert; die Revers ändern hin und wieder ihre Facon; die Frackschöße werden kürzer oder länger; die Beinkleider variieren in der Weite. Die überwiegend dunklen Stoffe wechseln von Grau zu Braun oder Dunkelgrün; Schwarz und Blau bleiben immer in Mode. Die Auswahl an Mustern ist begrenzt. Einmal dominiert der Nadelstreifen, dann wieder das Karo. Es ergibt sich also eine Gleichförmigkeit, die man – je nach Temperament – bewundern oder bemitleiden kann.
Kurz vor der Jahrhundertwende begann die Sportkleidung einen stärkeren Einfluß auf die Tagesgarderobe des Herrn auszuüben. Der Schnitt der Jacketts und Beinkleider wurde bequemer, die Stoffe farbiger. Bald stellte sich aber auch bei der Sportkleidung eine Uniformierung ein. Der Reitanzug, das Segeldreß oder die Golfkleidung erfuhren im Laufe der Zeit hinsichtlich der Stoffe, der Farben und des Zuschnitts nur geringe Änderungen.